Musik im Ohr

Schon vor einiger Zeit baten Deutschlands Ohrenärzte energisch um Gehör: Wenn das so weitergeht, werden wir bald ein Volk von Schwerhörigen!

Ihre Warnungen vor den gesundheitsschädlichen Folgen knalllauter Beat- und Rock-Rhythmen blieben jedoch ohne Resonanz. Ganz im Gegenteil: die Schallflut schlägt höhere Wellen denn je. So lässt sich in der Bundesrepublik mehr als jeder 5. Bürger zwischen 14 und 25 Jahren von „Musik-Duschen“ aus den beliebten MP3 – Playern berieseln und berauschen. Die Mini-Stereo-Anlagen werden mittlerweile weltweit von rund 12 Millionen Menschen benutzt. Ob beim Schwimmen, Rad- oder Motorradfahren, die Liebhaber der Mini-Musik-Boxen wollen in keiner Situation auf ihren tönenden Ohrwurm verzichten. Psychologen sprechen durchaus von einer neuartigen Droge, die süchtig machen könne.

Der MP3-Sound vermittle rosarote Lebensgefühle jenseits des oft als brutal empfundenen Alltags. Daran ist aber leider nicht zu rütteln: Zu laut eingestellt, werde die MP3-Geräte zum Gehörkiller. Wer sich jeden Tag drei und mehr Stunden den Kopf bei einer Lautstärke von 90 Dezibel volldröhnen lässt, riskiert nicht nur sein Gehör – sein gesamtes Nervenkostüm gerät aus den Fugen. Das Herz-Kreislauf-System wird hochgepeitscht, der Blutdruck klettert aufwärts. Schließlich entsprechen Lautstärken von „nur“ 90 dB dem Lärm eines vorbeirasenden Güterzugs aus acht Meter Entfernung!

Um sich von solch extremen „Tonstößen“ ein wenig zu erholen, brauchen die Gehörnerven jeweils längere Schallpausen. Neueste Untersuchungen zeigten nämlich, dass der Hörverlust nach einem 4-stündigen Beat- bzw. Rockkonzert erst nach 20 bis 50 Stunden ausgeglichen wird. Um einen Hörschaden zu vermeiden, sollte man dem Gehör nach jeder Disko- oder Kopfhörer-Musik eine mehrstündige Erholungsphase gönnen.

Januar 31st, 2010 by tobias | Filed under Allgemein

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